NACH DER DEUTSCHEN ART
Die Arbeit in Deutschland
Bei uns ist die Arbeitswelt ein delikates Thema: Es gibt viele Arbeitslose – etwa 10 % – und die Wirtschaft läuft nicht so gut. Das hört man überall. In Deutschland ist es ziemlich schwierig einen Arbeitsplatz zu bekommen auf Grund der wirtschaftlichen Lage in Deutschland. Aber den Unternehmen geht es nicht allzu schlecht, wenn man sich Umsatz oder auch Gewinne ansieht. Wo liegt also das Problem?
Was man zum Beispiel nicht immer sagt, ist, das in Norddeutschland Schlächtereien Arbeitnehmer von polnischen Unternehmen beschäftigen - die jeden Tag mit dem Bus aus Polen kommen - die für einen niedrigeren Lohn arbeiten als den Mindestlohn eines deutschen Arbeitnehmers, der von der Gewerkschaft festgelegt ist. So ist es für das deutsche Unternehmen billiger, einen Polen arbeiten zu lassen, und man braucht keinen deutschen Arbeitnehmer. Außerdem lassen die dänischen Unternehmen das, was sie in Dänemark verkaufen wollen, in Deutschland schlachten, weil es viel billiger ist, die Transportkosten in Kauf zu nehmen und die Leistung des deutschen Unternehmens günstig zu erwerben, als ein dänisches Unternehmen nebenan für das gleiche zu bezahlen.
Was als Lösung vorgeschlagen wird, ist die Lockerung des Kündigungsschutzes, der es im Moment den Arbeitgebern nicht erlaubt, einem Arbeitnehmer zu kündigen, der seine Arbeit macht und nicht allzu krass gegen Regeln verstößt - auch wenn er etwas stiehlt, kann es passieren, dass das Arbeitsgericht zugunsten des Arbeitnehmers entscheidet, das heißt, das Gericht entscheidet, dass der Arbeitgeber ihn weiterbeschäftigen muss. Weil man sagt, der Arbeitnehmer werde das nicht wieder tun etc. Man möchte diesen Schutz lockern, damit die Arbeitgeber nicht mehr Angst davor haben, neue Arbeitnehmer einzustellen, weil er immer die Möglichkeit hätte, ihnen zu kündigen, wenn sie nicht effektiv arbeiten.
Unter Juristen gibt es den „Witz“, dass es einfacher ist, eine Ehe aufzulösen als einen Arbeitsvertrag. Für den Arbeitgeber ist es eine Situation, die ihm eigentlich nicht erlaubt, neue Arbeitnehmer einzustellen. Es ist zu riskant, da man nie weiß, ob der Neue wirklich entsprechend den Anforderungen arbeiten kann.
Auf der anderen Seite – auf der Seite des Arbeitnehmers – ist es im Moment sehr einfach, in Deutschland zu leben und zu arbeiten: Wenn man einen Arbeitsplatz gefunden hat, muss man nur noch den Ruhestand abwarten (wenn man nicht vorher das Unglück eines Arbeitsunfalls hat). Man geht jeden Tag zur Arbeit und hält sich an die Hausordnung, aber man muss sich kein Bein ausreißen – der Arbeitgeber kann einen nicht seines Arbeitsplatzes berauben.

Da versteht man Reinhard Mey, der eine Parodie auf die Arbeit in einem deutschen Amt singt: In „Ein Antrag auf Erteilung eines Antragsformulars“: erzählt er von einem Urlaubsvertreter, der sich überhaupt nicht auskennt, der aber freundlich ist und dem Besucher eine Informationsbroschüre anbietet; der Besucher möchte aber eigentlich einen „Antrag auf Erteilung eines Antragsformulars, zur Bestätigung der Nichtigkeit des Durchschriftexemplars, dessen Gültigkeitsvermerk von der Bezugsbehörde stammt zum Behuf der Vorlage beim zuständ‘gen Erteilungsamt“, da ihn die „Aktenhauptverwertungsstelle Nord“ dazu aufgefordert hatte, ihm besagtes Dokument unverzüglich zuzusenden.
Der Urlaubsvertreter verweist den Besucher an den Hausmeister, denn „man sagt, der kennt sich hier aus“; der wiederum schickt ihn zu einem ganz anderen Amt. Aber heute hat der Besucher kein Glück: „die Nebendienststelle, die sonst Härtefälle betreut“ ist schon seit 11 Uhr geschlossen – „die feiern da ein Jubiläum heut‘“ – aber „vielleicht hat da die Registratur“ noch einen solchen Antrag. Dort schließlich kocht eine Frau Kaffee, trinkt ihn „genüßlich schlürfend“ und putzt „ausgiebig einen fetten Gummibaum“, bevor überhaupt der Besucher seinen Wunsch vorbringen kann. Hilflos „schluchzend robbt‘“ der Besucher „aus der Tür“; im Flur wird er schließlich vom Aktenboten aufgesammelt, der ihn „freundlich auf seinen Aktenkarren hob“ und ihm „Trost und Mut spendet“. Der Aktenboten ist nämlich gerade dabei, eine Karton Formulare an die Hauspost zu geben, damit diese Formulare eingestampft werden. Und das sind gerade „‘diese völlig überflüssigen Anträge auf Erteilung eines Antragsformulars, zur Bestätigung der Nichtigkeit des Durchschriftexemplars, dessen Gültigkeitsvermerk von der Bezugsbehörde stammt zum Behuf der Vorlage beim zuständ‘gen Erteilungsamt.“